Hexenkunst

Die Hexenkunst, oder Wicca ist ein erdverbundene Religion - Eine Wiedervereinigung mit den Lebenskräften der Natur auf unserem Planeten und im Universum. Bei Vollmond und an bestimmten Feiertagen treffen sich Gruppen von Männern und Frauen überall in Waldlichtungen, Vorgärten und Stadtwohnungen, um ihre Energie zu wecken und sich mit den Kräften der Natur ins Gleichgewicht zu bringen.

Hexen folgen ihrer naturverbundenen Spiritualität und huldigen den alten Göttern, aus der vorchristlichen Zeit Europas. Wicca-Anhänger verehren in erster Linie die Göttin der Erde und der dreifaltigen Mondin, sowie ihren Gemahl, den Gehörnten Gott. Die Namen der Götter variieren in den unterschiedlichen Traditionen: Aradia und Cerridwen sind allgemeine Namen für die Göttin, der Gehörnte Gott wird mit Cerrunos (der Gehörnte) oder Herne bezeichnet. In einigen Traditionen betrachtet man die Namen der Götter als so heilig, daß sie selbst in den Ritualen nur als „die Frau“ und „der Herr“ ausgesprochen werden. Aber wie auch immer Hexen ihre Götter benennen, alle Göttinnen und Götter, auch die anderer Glaubensrichtungen, werden als unterschiedliche Aspekte der universellen Kraft verehrt.

Wicca lehrt uns viele Wege, sich mit dem Göttlichen zu verbinden. Durch die Erweckung der Naturkräfte in uns und in der umgebenden Welt, erlangen die Hexen einen Einblick in den Ursprungs der Natur, der sowohl innerhalb als auch außerhalb dieser Welt liegt. Er liegt innerhalb dieser Zeit, ist zur gleichen Zeit aber auch zeitlos.Um im Gleichgewicht mit der Erde und ihren Geschöpfen zu leben beschäftigen sich Hexen ausgiebig mit den Mythen der Vergangenheit, Mysterienspielen, alter Dichtkunst und alten Gesängen. Ein großes ökologisches Bewußtsein und der Schutz unserer Erde ist ein Hauptanliegen in der Wicca Tradition. Hexen glauben, daß die Götter in der Natur leben. Aus diesem Grunde wird die Erde heilig gehalten und vor der Vernichtungssucht der Menschheit beschützt.

Die moderne Hexenkunst ist eine lebendige Tradition in Europa und Amerika. Sie ist nicht länger ein Überbleibsel aus dem Untergrund, lediglich ein heiß diskutiertes Thema unter wenigen Anthropologen. Ebensowenig ist sie das bizarre Hobby einiger Sonderlinge. Es handelt sich vielmehr um die aktive Religion einer ständig wachsenden Anzahl von Menschen. Eine genaue Zahl läßt sich allerdings kaum schätzen, denn Wicca ist außerhalb der Grenzen des individuellen Covens keine hierarchisch organisierte Religion. Es gibt zwar in den USA offizielle Organisationen, diese haben aber eher einen steuerlichen Hintergrund, als den der dogmatischen Einheitlichkeit oder der Zählung der Mitglieder. Die Zahl der Wicca-Anhänger ist jedoch groß genug, um auf beiden Seiten des Atlantiks eine große Anzahl von Publikationen und Zeitschriften herauszugeben und zu unterstützen. Aus diesem Grunde kann man davon ausgehen, daß es mehr als „zigtausend“ Anhänger auf diesem Planeten gibt, und die Anhängerschaft stetig wächst.

Wicca ist nicht nur Religion, sondern auch Kunst. Als Religion hat sie wie jede andere Religion das Ziel, die individuelle Person, wie auch die Gruppe, in Harmonie mit dem göttlichen, schöpferischen Prinzip des Kosmos und seinen Verkörperungen zu bringen. Als Kunst setzt sie sich das Ziel, mit Hilfe von Paaranormalität, sprich magischem Wirken, praktische Mittel für gute, nützliche und heilende Zwecke zu erlangen. In beiden Aspekten sind die auffälligsten Kennzeichen die naturverbundene Haltung, die kleine Gruppenautonomie - ohne Abgrenzung zwischen „Priester und Glaubensgemeinschaft und die Philosophie der schöpferischen Polarität auf allen Ebenen von Göttin und Gott bis hin zur Priesterin und zum Priester.

Die Rituale und Gebräuche im Wicca dienen nicht nur dazu, mit dem Göttlichen in der Natur in Kontakt zu treten, sondern sind auch ein Mittel, um mit dem Göttlichen in uns selbst in Kontakt zu treten und unsere Seele zu begreifen. Der Sinn der Rituale liegt nicht nur in seiner äußeren Form, sondern in der inneren Symbolik und Bedeutung.

Eines der Vorzüge des Wicca ist der, daß es uns enthüllt, was Jung das „göttliche Drama der Archetypen“, das heißt die Mythische Welt nennt. Die Jahreszeitenrituale, die Initiation (Einweihung) und sogar der einfache magische Kreis, in dem wir im Wicca arbeiten, projizieren das, was im Unbewussten geschieht nach außen, und erlauben uns, es zu sehen, zu verstehen, anzuwenden und so uns selbst weiterzuentwickeln.

Wicca ist keine Serie dogmatischer Vorschriften oder Überzeugungen, die durch eine sich selbst hochhaltende hierarchische Bürokratie bestimmt wird. Eher neigen wir zu der Annahme, daß jeder von uns die Anlage besitzt, zum Mysterium zu streben und das Leben - die unaussprechliche Einheit mit dem Leben und der Lebenskraft - zu erfahren!

Diejenigen, die diese Transzendenz erfahren wollen, müssen schöpferisch daran arbeiten ihre persönliche Religiosität zu leben. Darum treffen sich Hexen regelmäßig in kleinen Gruppen, Coven genannt. Hier wird jedem Einzelnen, innerhalb der abgesprochenen Gruppenstruktur, die Möglichkeit gegeben die Bestrebungen der Gruppe aktiv zu unterstützen.

Es gibt verschiedene Traditionen in der Hexenkunst. Manche Traditionen werden in bestimmten Familien von Generation zu Generation überliefert. Andere Traditionen sind moderne Interpretationen der alten Tradition. Einige Traditionen lassen sich von den vorchristlichen Religionen bestimmter ethnischer Gruppen inspirieren (Kelten, Germanen, Goten, Finnen u.s.w.), andere finden ihre Inspiration in den Werken moderner Hexen: Gerald Gardner, Alex Sanders, Doreen Valiente, Starhawk. Wieder andere kommen durch ihre innere Suche nach sich selbst zum Wicca.

In letzter Zeit haben viele Frauen ihren Weg zu Wicca gefunden. In ihrer Rolle als Priesterin sind sie ein Gegengift zu den von Männern bestimmten bestehenden Weltreligionen.

Die meisten Wicca-Traditionen konzentrieren sich auf die Zusammenarbeit mit anderen in einer kleinen Gruppe, dem Coven, der aus höchstens 13 Mitgliedern besteht. Allerdings gehört längst nicht jeder, der sich mit der Hexenkunst beschäftigt, einer Gruppe an. Einige ziehen es vor, ihren eigenen Weg zu gehen und sich ihre Inspiration aus publizierten Quellen und aus sich selbst heraus zu holen.

"Awitch alone“ (auf deutsch: „Das geheime Wissen der Hexen“) von Marian Green, einer bekannten Autorin in der Hexenkunst, beschreibt uns die Freuden und Schwierigkeiten des Einzelwegs:

Der Einzelweg ist ein traditioneller Weg, der in die Fußstapfen des Orakels, des Eremiten, des Schamanen oder des Druidenpriesters tritt. Es kann sein, daß selbst diejenigen, die die Möglichkeit haben mit einer Gruppe zusammen Feste und Heilungsrituale zu teilen, lieber ihre eigene, persönliche spirituelle Dimension entwickeln, um dadurch Selbstbewusstsein und Kraft zu gewinnen. Dieses nutzen sie dann sowohl als Individuum als auch in ihrer Rolle des Covenmitglieds.

Jedoch ist der Einzelweg jeder Tradition hart, und der Weg der durch die Welten der Hexenkunst führt, ist möglicherweise sogar noch härter: Er hat mit unantastbaren Dingen zu tun, mit „inneren Welten“ mit Göttinnen und Göttern und mit alten Mythen und Magie... Anfänger werden sich daran gewöhnen müssen, sich mit der Vergangenheit und der Zukunft auseinander zusetzen, und sich auf ein neues Feiertagemuster und ihren eigenen Gezeiten anzupassen.

Die verschiedenen Traditionen in der Hexenkunst besitzen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Zu welcher Tradition sich eine Hexe auch bekennen mag, alle sind vereint in der Auffassung, daß das Göttliche in der Natur verkörpert ist; eine Vorstellung die alle verehren und versuchen tiefer zu durchdringen.

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