Die Göttin

Herrin des dreifach sich wandelnden Lichts, deren Form die Erde ist, bei Tag und bei Nacht und dennoch fließt um dich herum der ewige Ozean, du Göttin, so still und doch ständig in Bewegung.

Mond, Schwesterselbst und dreifacher Aspekt des Dreifachen, Jungfrau, Schöpfergöttin und weise Alte.

Du, die du die Erde bist, der Mond und das Meer, Allmutter, du hast mich gemacht. Aus deinen dunklen Knochen, aus Natur und Fleisch, aus kristallklarem Wasser und dem ruhigen Atem des Windes, diese kamen von dir und sind jetzt mein, ewiger Geist, gehüllt in Zerbrechlichkeit.

Und dennoch ruht jenseits davon endlos ein Licht, das aus den Sternensamen fiel. Göttin des Lebens, der Liebe und des Paradoxes, Hüterin der Schlüssel zu allen Schlössern, der Mysterien, des Himmels und der Erde, bitte antworte mir: Wer bin ich?

Die Göttin ist vor allem Irdischen, die dunkle nährende Mutter, die alles Leben hervorbringt. Alles geht aus ihr hervor und kehrt in sie zurück. Als Erde ist sie auch pflanzliches Leben. Geburt, Tod und Zerfall sind gleichwertige Teile des großen Kreislaufs.

Die Erdgöttin ist auch Luft und Himmel, überirdische Himmelsgöttin, Sternengöttin, Herrscherin über die unsichtbare Welt der Empfindungen. Sie ist die Muse. die alle Schöpfungen des menschlichen Geistes erweckt.

Die Himmelsgöttin ist die Mondin, die mit den weiblichen Monatszyklen der Blutung und der Fruchtbarkeit verknüpft ist. Die Frau ist die irdische Mondin. Herrscherin der Gezeiten des Meeres. Herrin über die Wasser; über die Wellen des Meeres, die Ströme, die Quellen, die Flüsse; über die Seen, die tiefen Quellen und unterirdischen Meere und über die Gefühle und Regungen, die uns wie Wogen überfluten.

Die Mondgöttin hat drei Aspekte: Wenn sie zunimmt, ist sie die Jungfrau; voll und rund ist sie die Mutter; wenn sie abnimmt ist sie die Greisin. Die Dreiheit der Mondin wird zur Pentade, zum fünffaltigen Blatt von Geburt, Initiation, Liebe, Reife und Tod (Pentagramm). Die Göttin offenbart sich im gesamten Lebenszyklus.

In den meisten  Traditionen des Hexenglaubens wird die Auffassung vertreten, daß der interne Name der Göttin große Kraft verkörpert. Daher wird er geheimgehalten und nur den Initiierten enthüllt. Die außerhalb am häufigsten gebrauchten Namen sind Diana für die Göttin des Mondes und Aradia, ihre Tochter, die der Legende zufolge zur Erde gesandt wurde, um die Menschen zu befreien, indem sie ihnen die Künste der Magie lehrte.

Ceridwen ist die keltische Gestalt der Göttin. Ihr Hexenkessel ist der Schoß - das Gefäß der Wiedergeburt und der Inspiration. In der frühen keltischen Mythologie wurden die erschlagenen Krieger im Kelch der Göttin wieder zum Leben erweckt. Dieser wurde in die Unterwelt entführt, und die Helden, die ihn zurückerobern wollten, waren die Urgestalten von König Artus und seinen Rittern, die seine spätere Inkarnation anstrebten: den Heiligen Gral.

 

Der Gott

Der Gott der Hexen hat ebenfalls viele Facetten; er wird durch die Sonne am Himmel symbolisiert, und aufgrund der Veränderungen, die die verschiedenen Jahreszeiten mit sich bringen, ist er ebenfalls eine sich entwickelnde Gottheit.

Er wird häufig mit Hörnern dargestellt. Wie für die Göttin, so gibt es auch für ihn viele Beschreibungen, die sich oft auf die Tatsache beziehen, daß er ein gehörnter Gott ist, z. B. Herne oder Pan, jene archetypisches Halb-Mensch-halb-Tier-Gestalt, Herrscher über die wilden Tiere in den Wäldern früherer Zeiten.

Wie die Göttin, so hat auch er drei Aspekte: durch seine haarigen Beine und Hufe ist er Hüter und Hirte im Reich der Tiere, sein menschliches Herz zeigt seine Gefühle für die Menschheit,  sein herrschaftliches Geweih zeigen, daß er selbst ein Gott ist. Dieses Geweih symbolisiert die Kraft des Lichtes, der Sonnenstrahlen, für die Mitwirkung bei der Schöpfung.

Der Gott der Heiden wandelt in drei Welten: dem bescheidenen Land aller wilden und zahmen Tiere mit ihrer Einfachheit; den vom Menschen geschaffenen Reichen; und über all das hinaus ist er auch noch der göttliche Himmelsvater.

Der Gott ist sein eigener Vater, der seine Mutter liebt und ihr Ehemann wird, obwohl sie länger lebt als er. Der Gott ist ein zyklisches Wesen, eng verbunden mit dem Grün des Landes, in der Dunkelheit des Winters geboren, in den Frühlingstagen herangewachsen. Seine größte Stärke erlebt er im Mittsommer beim höchsten Stand der Sonne, und bei der Ernte erfährt er von seinem bevorstehenden Opfer. Hier wird er abgeschnitten, ein williges Opfer der Klinge des Schnitters, und bietet seinen Samen als Getreide an, um die Menschen zu ernähren, wenn der Herbst das Land abkühlt. 

Als Toter wird er von der Göttin, seiner Witwe, betrauert, die niemals stirbt oder ihre Kinder verläßt. In den dunklen Monaten des Winters erneuert sie ihre Jugend, gewinnt ihre Schönheit wieder und ist bereit, dem jungen Herrn im Frühling zu begegnen.

Diese Mysterien - das des sterbenden, sich aufopfernden Gottes und das der unsterblichen, sich wandelnden Göttin - bilden die Grundlage der heidnischen Anbetung.

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